Kinder gestalten Dorsten – Kinderbürgermeister & Kinderkonferenz 
Dorsten
Die Stadt Dorsten stärkt seit 2020 mit dem Projekt „Kinderbürgermeister“ die verbindliche Beteiligung von Grundschulkindern. Jährlich vertreten gewählte Kinder die Interessen aller Grundschulkinder und bringen ihre Anliegen in Verwaltung und Politik ein. Mit der Kinderkonferenz und einem Kinderstadtplan von Kindern für Kinder können zusätzlich viele weitere Kinder ihre Ideen analog und online einbringen. So fördert Dorsten frühzeitig gelebte Demokratie.
Personen von links nach rechts: Tim Skowronek, Eden Fähnrich-Winkel, Luca Sörries

Über das Projekt

Die Stadt Dorsten hat 2020 mit dem Projekt „Kinderbürgermeister“ ein fest verankertes Beteiligungsformat für Grundschulkinder gestartet. Gemeinsam mit der Kinderkonferenz ist es Teil der fünf Prinzipien der Kinder- und Jugendbeteiligung in Dorsten. Auslöser war die Initiative zweier Kinder im Kommunalwahlkampf. Seitdem wählen jährlich wechselnde Grundschulen ein Mädchen und einen Jungen, die die Interessen aller Grundschulkinder vertreten. Aktuell kommt der Kinderbürgermeister von einer Förderschule und hat sogar Ministerpräsident Hendrik Wüst seine Schule vorgestellt. 

Pädagogisch begleitet von der Abteilung Kinder- und Jugendförderung bringen die Kinderbürgermeister ihre Perspektiven ein – etwa bei Spielplatzplanungen, Veranstaltungen und im Austausch mit Bürgermeister und Verwaltung. Ein Kinderbriefkasten im Rathaus sowie Beteiligungsbretter an den Schulen, Aushänge, Presse und Social Media sichern, dass alle Kinder ihre Anliegen einbringen können. Jede Rückmeldung wird geprüft und beantwortet. Highlights sind das Fest zum Weltkindertag, der „Bürgermeister-Tag“ und Schulklassenbesuche, bei denen sich der Bürgermeister den Fragen der Kinder stellt. Das Projekt erfährt große mediale Aufmerksamkeit und dient anderen Kommunen als Vorbild. 

Mit der 2025 eingeführten Kinderkonferenz (KiKo) wurde das Angebot erweitert: Über 50 Kinder entwickeln einen Kinderstadtplan – von Kindern für Kinder. Darin benennen sie Spielplätze, besondere Orte, Treffpunkte und Lieblingsplätze. Ergänzend können weitere Kinder online Orte markieren und Ideen einbringen – niedrigschwellig, barrierearm und offen für alle. 

Gerade vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen setzen wir bewusst früh an: Demokratiebildung kann nicht früh genug beginnen. Kinder erleben, dass ihre Stimme zählt und Mitgestaltung Verantwortung bedeutet. So verbindet Dorsten Kindervertretung, offene und digitale Beteiligung zu einem nachhaltigen Modell früher Demokratiebildung. 

So haben wir die 10 Grundsätze Guter Beteiligung umgesetzt:

1. Die Bereitschaft zum Dialog:

In Dorsten wird dieser Grundsatz durch ein echtes Miteinander von Kindern, Verwaltung und Politik gelebt. Die Kinderbürgermeister treffen sich regelmäßig mit Bürgermeister und Mitarbeitenden, bringen ihre Anliegen aktiv ein und gestalten Entscheidungen mit. Bei der Kinderkonferenz diskutieren über 50 Kinder in altersgerechten Gruppen Ideen, entwickeln Lösungen für den Kinderstadtplan und erleben, wie Mitwirkung funktioniert. Ergänzend können alle Kinder online Vorschläge eintragen – jede Rückmeldung wird geprüft und verbindlich beantwortet. So wird Beteiligung sichtbar, Feedback fließt direkt zurück, und Kinder merken: Ihre Stimme zählt. Ein lebendiger, transparenter Dialog macht Mitwirkung erlebbar und nachhaltig. 

2. Die Themen, die Akteur*innen und die Rahmenbedingungen:

Kinder werden dort abgeholt, wo sie leben und lernen. Die Kinderbürgermeister vertreten die Perspektiven aller Grundschulkinder, die Kinderkonferenz bezieht über 50 Teilnehmende aus allen elf Stadtteilen ein. Inhalte orientieren sich an ihren Interessen – von Spielplätzen über Schulhöfe bis zu Treffpunkten in der Nachbarschaft. Pädagogische Begleitung, kindgerechte Materialien und Online-Beteiligung sichern echte Mitwirkung. Vorschläge werden geprüft, umsetzbar gemacht und transparent beantwortet – Beteiligung wird erlebbar und relevant für alle. 

3. Klare Ziele und Mitgestaltungsmöglichkeiten:

Kinder erhalten von Beginn an transparente Informationen darüber, worum es geht und wie sie sich einbringen können. Die Kinderbürgermeister vertreten die Interessen aller Grundschulkinder und wirken aktiv bei Spielplatzplanungen, Veranstaltungen oder Projekten wie dem Kinderstadtplan mit. In der Kinderkonferenz arbeiten die Kinder in altersgerechten Gruppen nach Stadtteilen, entwickeln Ideen, diskutieren Lösungen und dokumentieren Ergebnisse sichtbar. Ergänzend ermöglicht die Online-Beteiligung, dass auch Kinder, die nicht vor Ort sein können, Vorschläge einbringen und mitbestimmen. So erfahren Kinder echte Mitgestaltung, erleben, dass ihre Stimme zählt, und sehen, wie ihre Beiträge konkrete Wirkung entfalten. 

4. Frühzeitig beginnen und alle verpflichten:

Kinder werden in Dorsten von der ersten Idee an aktiv in Entscheidungen eingebunden. Die Kinderbürgermeister vertreten die Perspektiven ihrer Altersgruppe schon in der Planungsphase – lange bevor endgültige Entscheidungen fallen – und bringen ihre Anregungen direkt in Themen wie Spielplatzgestaltung, Veranstaltungen oder den Kinderstadtplan ein. Die Kinderkonferenz startet mit strukturierten Abläufen, vorbereiteten Themen und altersgerechten Arbeitsgruppen, sodass alle Kinder gezielt eigene Vorschläge einbringen können. Verwaltung, Politik und Pädagog*innen verpflichten sich, die Beiträge ernst zu nehmen, gemeinsam zu beraten und verbindlich zu beantworten. Ergänzend ermöglicht die digitale Beteiligung, dass auch Kinder, die nicht vor Ort sein können, aktiv mitwirken und Einfluss nehmen. So erleben die Kinder, dass ihre Ideen konkrete Wirkung entfalten und ihre Anliegen konsequent in die Entscheidungen der Stadt einfließen. 

5. Ausreichende Ressourcen:

In Dorsten wird Kinderbeteiligung gezielt unterstützt und professionell umgesetzt. Das Amt für Familie und Jugend stellt Personal, Zeit und Materialien bereit, damit Kinderbürgermeister, Schulklassen und Kinderkonferenz-Teilnehmende altersgerecht und wirkungsvoll mitarbeiten können. Räumliche Ressourcen werden bewusst gestaltet: Kinderbürgermeister haben etwa große Styroporbuchstaben für ihre Treffen im Rathaus gestaltet, und für die Kinderkonferenz wurde das moderne soziokulturelle Zentrum „Treffpunkt Altstadt“ gewählt – ein Ort, an dem sich Kinder wohlfühlen. Kreative Materialien, Online-Plattformen und pädagogische Begleitung ermöglichen es ihnen, Ideen sichtbar zu machen und ernsthaft einzubringen. Auch Veranstaltungen wie Spielplatzeröffnungen oder die Erstellung des Kinderstadtplans werden finanziell und organisatorisch abgesichert. 

6. Vielfältige Mitwirkung:

Kinder haben in Dorsten viele Wege, ihre Perspektiven einzubringen. Die Kinderbürgermeister vertreten die Grundschulkinder, Kinderkonferenzen laden zur Mitgestaltung von Themen wie dem Kinderstadtplan ein, und der Kinderbriefkasten im Rathaus ermöglicht allen Kindern, Wünsche und Ideen direkt einzureichen. Online-Beteiligung stellt sicher, dass auch Kinder, die nicht vor Ort teilnehmen können, Gehör finden. Ergänzend werden Schulen, Spielplatzeröffnungen und gemeinsame Aktionen genutzt, um kreative, spielerische und repräsentative Beteiligungsformen zu verbinden. So können Kinder auf unterschiedlichen Ebenen, je nach Interessen und Fähigkeiten, aktiv Einfluss nehmen. 

7. Gemeinsame Verständigung auf Verfahrensregeln:

Gute Beteiligung gelingt nur, wenn alle Beteiligten wissen, wie der Prozess funktioniert. In Dorsten werden zu Beginn der Kinderkonferenzen und Beteiligungsformate gemeinsam Regeln festgelegt: Wer kann mitmachen, wie werden Ideen eingebracht, wie werden Entscheidungen dokumentiert und zurückgemeldet. Kinder, Pädagog*innen, Verwaltung und Politik stimmen sich ab, damit alle die gleichen Spielregeln kennen. So entsteht ein respektvoller, klar strukturierter Rahmen, der Vertrauen schafft und Mitwirkung erleichtert. 

8. Sorgfältige und kompetente Prozessgestaltung:

Gute Beteiligung gelingt nur mit durchdachten und professionell begleiteten Prozessen. In Dorsten planen Fachkräfte der Kinder- und Jugendförderung jeden Schritt der Kinderkonferenzen und Beteiligungsformate sorgfältig: von der Vorbereitung der Themen über kindgerechte Materialien bis zur Dokumentation der Ergebnisse. Pädagogische Begleitung, klare Abläufe und gezielte Moderation sorgen dafür, dass Kinder ihre Ideen aktiv einbringen können, Diskussionen fair verlaufen und Ergebnisse nachvollziehbar sind. 

9. Transparenz und verlässlicher Informationsaustausch:

Transparenz und verlässlicher Informationsaustausch sind zentrale Pfeiler guter Beteiligung. Kinder in Dorsten werden von Anfang an informiert, welche Themen anstehen, welche Entscheidungen bevorstehen und wie sie sich einbringen können. Bei der Kinderkonferenz und der Online-Beteiligung werden alle Schritte dokumentiert, Ergebnisse sichtbar gemacht und Rückmeldungen geprüft sowie verbindlich beantwortet. So verstehen Kinder die Abläufe, erkennen, wie ihre Ideen genutzt werden, und erleben, dass ihre Beiträge wirklich Gewicht haben. 

10. Lernen aus Erfahrung:

Die Kinderbürgermeister und Teilnehmenden der Kinderkonferenz reflektieren regelmäßig ihre Arbeit und die gemeinsam entwickelten Projekte wie den Kinderstadtplan. Jede Amtsperiode und jede Konferenz wird ausgewertet: Welche Ideen wurden besonders aktiv umgesetzt? Welche Planungs- und Beteiligungsmethoden kamen gut an? Wo braucht es Anpassungen? Feedback von Kindern, Eltern, Lehrkräften und Verwaltung fließt direkt in die nächste Planung ein. Auch die digitale Beteiligung wird anhand dieser Erfahrungen weiterentwickelt. 

Angaben zu Mitwirkenden
(Dienstleister, Moderation, Planungsbüros, Partner…)

  • Die Umsetzung des Projekts erfolgt in enger Zusammenarbeit zahlreicher Akteure: Die Kinder- und Jugendförderung begleitet pädagogisch und organisatorisch die Kinderbürgermeister, moderiert die Kinderkonferenz und unterstützt den Kinderstadtplan. 
  • Weitere städtische Ämter und Abteilungen, Schulen, Lehrkräfte und Eltern unterstützen das Vorhaben. 
  • Partner wie die Dorstener Tafel bringen praxisnahe Einblicke ein. So entsteht ein verlässliches, professionell getragenes Beteiligungsnetzwerk für Kinder in Dorsten.

Links zu weiteren Informationen und Dokumenten
(inklusive Berichterstattung)