Heisses Hellersdorf ist ein gemeinsames Klimaanpassungsprojekt des Stadtentwicklungsamts des Bezirks Marzahn-Hellersdorf von Berlin, der drei Hellersdorfer Quartiersmanagements sowie der Träger L.I.S.T. GmbH und Naturschutz Berlin-Malchow e. V. Ziel war es, gemeinsam mit den Menschen vor Ort Lösungen für die zunehmenden Folgen von Hitze und Trockenheit zu entwickeln. Das Projekt setzte dabei konsequent auf niedrigschwellige und kontinuierliche Beteiligung.
Herzstück waren die wöchentlichen mobilen „Klima-Talks“ auf dem Lastenrad, bei denen über zwei Jahre hinweg mehr als 1.000 Gespräche mit Anwohnenden geführt wurden. Ergänzt wurde dies durch kostenlose Workshops, Rundgänge, Mapping-Aktionen, kleinere Beteiligungsformate sowie die gemeinsame Umsetzung konkreter Maßnahmen. So konnten Erfahrungen, Bedarfe und Ideen der Bewohnerschaft frühzeitig in den Prozess einfließen.
Besonderer Wert wurde auf eine alltagsnahe Ansprache gelegt: Klimathemen wurden verständlich und lokal aufbereitet und mit konkretem Nutzen für die Menschen vor Ort verbunden. Gleichzeitig wurden unterschiedliche Perspektiven systematisch eingebunden – von Anwohnenden über Wohnungsunternehmen bis hin zu Fachämtern, sozialen Einrichtungen und lokalen Initiativen. Die Beteiligung führte zu konkreten Ergebnissen im Quartier, darunter eine Innenhofumgestaltung, Hochbeete, Regenwasserspeicher und Baumpflanzungen. Viele Maßnahmen wurden gemeinsam mit den Bewohnenden entwickelt, umgesetzt und werden nun langfristig betreut.
Durch regelmäßige Reflexion, transparente Kommunikation und die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten entstand ein lernender Beteiligungsprozess mit nachhaltiger Wirkung. Die Erfahrungen und Ideen wurden in einem Maßnahmenkatalog dokumentiert und dem Bezirk für die weitere Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen übergeben. Damit zeigt Heisses Hellersdorf, wie gute Bürgerbeteiligung konkrete Veränderungen im Wohnumfeld anstoßen und langfristige Netzwerke für Klimaanpassung stärken kann.
So haben wir die 10 Grundsätze Guter Beteiligung umgesetzt:
1. Die Bereitschaft zum Dialog:
Die Bereitschaft zum Dialog und zum kontinuierlichen Austausch mit den Menschen in Hellersdorf bildete die Grundlage des Klima-Projekts. Zentrales Element war der mobile „Klima-Talk“ auf dem Lastenrad: Über zwei Jahre fand der wöchentliche Austausch an unterschiedlichen Orten in den Quartiersmanagement-Gebieten statt, um Ideen für Klimaanpassungsmaßnahmen zu sammeln und zu kartieren. In mehr als 1.000 Bordstein-Gesprächen wurde den Hellersdorferinnen Raum gegeben, Erfahrungen, Sorgen und Ideen zu Hitzeauswirkungen und Klimaanpassung zu teilen und Verbesserungsmöglichkeiten auf Augenhöhe zu diskutieren. Die zusätzlichen Workshops ermöglichten den Austausch zwischen Anwohnenden und Expertinnen zu unterschiedlichen Klimathemen und die gemeinsame Entwicklung von Lösungen. Vor der Umsetzung konkreter Klimaanpassungsmaßnahmen wurden zudem kleine Beteiligungsformate mit Anwohnenden durchgeführt. Der Dialog wurde darüber hinaus kontinuierlich digital über Social Media fortgeführt.
2. Die Themen, die Akteur*innen und die Rahmenbedingungen:
Da Klimaanpassung nur gebietsübergreifend wirksam gestaltet werden kann, wurde ein gemeinsamer Ansatz für die drei benachbarten Quartiere entwickelt, der die jeweiligen Rahmenbedingungen und Beteiligungsstrukturen (z. B. Quartiersrat) in den Quartieren berücksichtigt. Dabei wurden die unterschiedlichen Lebenssituationen in den Gebieten sowie die Interessen der beteiligten Akteursgruppen systematisch in der Umsetzung und thematischen Schwerpunktsetzung berücksichtigt. Klimathemen wurden gezielt an die lokale Lebensrealität angepasst und alltagsnah aufbereitet, etwa durch praktische Zugänge wie Foodsharing und gemeinsames Gärtnern oder durch konkrete Handlungstipps zum Energiesparen. Bestehende Veranstaltungen und Netzwerke im Quartier wurden genutzt und bewusst in die Umsetzung einbezogen und weiterentwickelt. Dies führte zu einem niedrigschwelligen, kontinuierlichen Kommunikationsansatz mit verlässlicher Ansprechbarkeit für Klimafragen und darüber hinaus.
3. Klare Ziele und Mitgestaltungsmöglichkeiten:
Das Projekt baut auf den partizipativ entwickelten Integrierten Handlungskonzepten (IHEKs) der drei Quartiere auf. Zu Beginn wurden gemeinsame Ziele zwischen Bezirksamt, Quartiersmanagements sowie den umsetzenden Trägern vereinbart. Fokus des Projekts war die Sensibilisierung und Aktivierung für Klimaschutz und Klimaanpassung im Quartier. Daraus wurden Bausteine und Mitgestaltungsmöglichkeiten entwickelt, die auf diese Ziele einzahlen und eine breite Beteiligung ermöglichen. Der Schwerpunkt lag auf der partizipativen Entwicklung und Erprobung von Klimaanpassungsmaßnahmen: Bewohnende wurden aktiv in die Planung, Umsetzung und teilweise in die anschließende Betreuung eingebunden und erhielten so konkrete Gestaltungsspielräume im eigenen Wohnumfeld. Alle Ideen und möglichen Maßnahmen wurden in einem Maßnahmenkatalog gesammelt und zur Bearbeitung an das Bezirksamt übergeben.
4. Frühzeitig beginnen und alle verpflichten:
Bereits im Vorfeld verständigten sich die Beteiligungsgremien der drei Quartiersmanagement-Gebiete (Quartiersräte) auf eine gemeinsame Finanzierung des Vorhabens und ermöglichten damit die gebietsübergreifende Umsetzung. Die Beteiligung setzte in der Planungsphase an, sodass Wissen, Erfahrungen und Perspektiven der Akteursgruppen frühzeitig in der Projektgestaltung einfließen konnten. In der Planungsphase wurde eine umfassende Netzwerkarbeit in Form von Stakeholder-Interviews und Vorgesprächen im Gebiet und darüber hinaus durchgeführt. Die Planung erfolgte ab Herbst 2023, die Umsetzung von 2024 bis Ende 2025. Während des gesamten Prozesses fand ein kontinuierlicher Austausch zwischen den umsetzenden Trägern, den Quartiersmanagements und dem Stadtentwicklungsamt Marzahn-Hellersdorf statt.
5. Ausreichende Ressourcen:
Für die Umsetzung des Projekts Heisses Hellersdorf standen Fördermittel des Programms „Sozialer Zusammenhalt“ zur Verfügung. Für die Umsetzung wurden zwei Träger beauftragt: die L.I.S.T. GmbH für die Bürgerbeteiligung und die Naturschutz Berlin-Malchow e. V. für die Umweltbildung. Zu den weiteren Ressourcen gehörte in erster Linie das hohe ehrenamtliche Engagement in der Nachbarschaft. Das Projekt konnte an bestehende lokale Strukturen andocken, kostenfreie Räume lokaler Einrichtungen sowie Netzwerke und Kontakte in den Quartieren nutzen. Ein eigenes Budget für Öffentlichkeitsarbeit und lokale Netzwerkarbeit trug zudem dazu bei, die Beteiligung im Stadtteil sichtbar zu machen und eine breite Ansprache der Bewohnerschaft zu gewährleisten.
6. Vielfältige Mitwirkung:
Diverse Bausteine bieten Beteiligungsmöglichkeiten für Interessengruppen auf unterschiedlichen Partizipationsebenen:
- Klima-Labor: Mit Messstationen konnten die Bewohnenden das Mikroklima in den Quartieren untersuchen.
- Kostenlose Workshops: Klimaschutz wird greifbar und lokal vermittelt; zielgruppenspezifische Workshops für Seniorinnen, Familien oder Fachkräfte.
- Klima-Talk: Niedrigschwellige aufsuchende Beteiligung; das Mapping bildete die Grundlage für die anschließende Planung der Anpassungsmaßnahmen.
- Klima-Challenge: Gesprächsöffner und kreatives Informationsmedium mit lokalem Informationsgehalt.
- Klimaanpassungsmaßnahmen: Partizipative Erarbeitung und gemeinsame Umsetzung sorgten für großes Interesse und Sichtbarkeit.
- Netzwerkarbeit: Bestehende Netzwerke konnten genutzt, erweitert und Inhalte für die lokale Nutzung aufbereitet werden.
7. Gemeinsame Verständigung auf Verfahrensregeln:
Die Zusammenarbeit basierte auf einer engen Abstimmung zwischen dem Stadtentwicklungsamt, den drei Quartiersmanagements und den beauftragten Trägern. Der Gesamtprozess und die einzelnen Beteiligungsbausteine wurden gemeinsam entwickelt sowie Verfahrensregeln und Prozesse für die Arbeit und Entscheidungsfindung innerhalb der Steuerungsrunde abgestimmt. Eine kontinuierliche Rückkopplung mit den lokalen Beteiligungsgremien (Quartiersräten) stellte Transparenz und Verlässlichkeit sicher. Die verschiedenen Projektbausteine griffen gezielt ineinander und wurden fortlaufend evaluiert, angepasst und dokumentiert.
8. Sorgfältige und kompetente Prozessgestaltung:
Die Prozessgestaltung wurde innerhalb der Steuerungsrunde entwickelt und durch die Träger umgesetzt. In quartalsweisen Steuerungsrunden wurden Umsetzungsschritte koordiniert, reflektiert und bei Bedarf angepasst. Die Quartiersräte begleiteten das Projekt fortlaufend. Das Projekt wurde in verschiedene Beteiligungs- und Maßnahmenbausteine gegliedert. So konnten zusätzliche Formate wie ein Fach-Workshop zur nachhaltigen Wiesenpflege für Mitarbeitende des Straßen- und Grünflächenamts und Unternehmen vor Ort entwickelt werden, um auf konkrete lokale Anforderungen zu reagieren.
9. Transparenz und verlässlicher Informationsaustausch:
Projektfortschritte und Beteiligungsmöglichkeiten wurden kontinuierlich und transparent im Quartalsflyer, über Social Media sowie über die Kanäle der Quartiersmanagements kommuniziert. Die wöchentlichen Klima-Talks sorgten für dauerhafte Präsenz und Erreichbarkeit vor Ort. Im Rahmen der Pilotmaßnahmen (z. B. Innenhofumgestaltung) wurden Wohnungsunternehmen, Kita, Sozialstation und Bewohnerschaft erstmals an einen Tisch gebracht. Auch der Projektabschluss wurde als offener Austausch im Rahmen einer Begehung gestaltet.
10. Lernen aus Erfahrung:
Projektbegleitungen und interne Reflexionsworkshops ermöglichten es, Erfahrungen auszuwerten und die Prozessgestaltung fortlaufend anzupassen. Die Zusammenarbeit mit externen Initiativen brachte zusätzliche fachliche Perspektiven ein. Auf Basis der Erfahrungen aus dem ersten Projektjahr wurde die Ausrichtung einzelner Bausteine angepasst (z. B. stärkere zielgruppenspezifische Aufbereitung und Fokus auf öffentliche/private Eigentümer). Die Erfahrungen wurden im Maßnahmenkatalog dokumentiert, der als Grundlage für zukünftige Klimaanpassungsmaßnahmen und die Übertragbarkeit des Projektes dient.
Angaben zu Mitwirkenden
(Dienstleister, Moderation, Planungsbüros, Partner…)
- Koordination und Förderstelle des Programms „Sozialer Zusammenhalt“: Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf von Berlin, Stadtentwicklungsamt, Gebietskoordination Quartiersmanagement in Zusammenarbeit mit den drei Quartiersmanagements Alte Hellersdorfer Straße, Hellersdorfer Promenade und Boulevard Kastanienallee
- Projektumsetzung: L.I.S.T. – Lösungen im Stadtteil – Stadtentwicklungsgesellschaft mbH in Kooperation mit Naturschutz Berlin-Malchow e. V.
Links zu weiteren Informationen und Dokumenten
(inklusive Berichterstattung)
- Pressemitteilung des Bezirksamts zum Projektstart
- Projekt des Monats der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
- Pressemitteilung des Bezirksamts zum Projektabschluss
- Katalog mit Vorschlägen für kleinteilige Klimaanpassungsmaßnahmen aus der Nachbarschaft (PDF)
- Ergebnispräsentation des Projektes (PDF)
- Instagram-Account des Projektes


